Das Zombie-Virus: Die Zinsen kommen zurück (?)

Aktualisiert: 14. Feb.

Was haben Zombies mit so manchen Unternehmen gemeinsam? Antwort: 1) Sie sind eigentlich tot, 2) doch sie laufen weiter, 3) sie sind ansteckend, 4) Heilung ist schwierig und 5) wie man mit ihnen umgehen sollte, ist umstritten. Auf diese fünf Punkte möchte ich - in Kürze - im Folgenden eingehen.

Zu 1) "Sie sind tot": Ein Zombie-Unternehmen ist ein Solches, welches so stark verschuldet ist, dass der operative Gewinn nicht ausreicht, um die Zinsen auf die Schulden zu bezahlen. Häufig ist das Geschäftsmodell schlecht, die Produkte werden vom Markt nicht mehr angenommen und/oder das Unternehmen hat versäumt, strategische Entscheidungen zu treffen oder die falschen Entscheidungen getroffen.


Zu 2) "Sie laufen weiter": Ein Zombie-Unternehmen kann am Leben gehalten werden. So ist es beispielsweise möglich, dass sich das Unternehmen immer weiter verschuldet und sich so noch eine gewisse Zeit "über Wasser halten kann". Es kann auch sein, dass ein Zombie-Unternehmen medikamentös behandelt wird: So wird der EZB (die Hüterin der Zinsen) oft vorgeworfen, dass sie durch Ihre Niedrigzinspolitik so manche Unternehmen (und auch Staaten) künstlich am Leben hält und so zur Zombiefizierung führt. Auch Hilfsprogramme der Regierung (z.B. die Bazooka von Scholz und Altmaier) gehen in diese Richtung.


Zu 3 "Sie sind ansteckend": In der aktuellen Wirtschaftslandschaft sind Unternehmen im hohen Maß miteinander verbunden, vor allem durch die Lieferketten. Die Produkte, die wir herstellen, sind stark fragmentiert: Die Komponenten von Autos, Computern, etc. werden von sogenannten Tier-1 Zulieferern geliefert. Ein Abnehmer bekommt also dann Probleme, wenn ein Zulieferer stirbt und nicht mehr liefern kann. Zudem bekommen Zulieferer dann Probleme, wenn ein Abnehmer stirbt und nicht mehr bezahlen kann. Dadurch können Kaskaden-Effekte bzw. Domino-Effekte ausgelöst werden: Stirbt ein Unternehmen, zieht dieses mehrere mit in den Abgrund.


Zu 4. "Heilung ist schwierig": Die Regierung bemüht sich, die "Untoten" wieder zu den "Lebenden" zu holen. So wurde mit StaRUG im Jahr 2021 ein Rahmen geschaffen, mit dem sich Unternehmen sanieren können (ohne Insolvenzverfahren wohlgemerkt). Auch die bereits angesprochenen Hilfsprogramme und die von der EZB niedrig gehaltenen Zinsen sind eine hilfreiche Behandlung. Doch: Was ist, wenn die Medikamente abgesetzt werden? Wie hoch ist dann die Rückfallwahrscheinlichkeit?


Zu 5. "Wie sollte man mit ihnen umgehen"?

Ein (extrem) kurzer Blick in die Makroökonomik: Diese Fachrichtung beschäftigt sich (unter anderem) mit der Frage: Wie sollte man mit Unternehmen in Krisen umgehen? Es gibt zwei grobe Richtungen:

  • Der erste (sehr prominente) Ansatz kommt von "Keynes". Dieser sagt quasi aus, dass der Staat einschreiten und die Wirtschaft massiv durch Ausgaben ankurbeln sollte. Problem: Der jeweilige Staat verschuldet sich dabei ggf. massiv (siehe so ungefähr alle Länder weltweit).

  • Eine ganz andere Meinung hat "Hayek". Dieser sagt, dass nicht lebensfähige Unternehmen sterben müssen und nennt diesen Vorgang "Reinigungsfunktion". Problem: Unternehmen sterben und verursachen damit auch Arbeitslosigkeit (zumindest kurzfristig).

In den fünf oben dargestellten Punkten haben wir gesehen, dass schwächelnde Unternehmen stark unter ihrer Verschuldung leiden und dem dadurch verursachten Zinsaufwand, welcher die Gewinn- und Verlustrechnung belastet. Fachbegriff "Zinsänderungsrisiko": Wenn zudem die Zinsen steigen sollten, kann man sich leicht ausmalen, dass es schnell hässlich wird.


Doch sind steigende Zinsen wahrscheinlich? Lange Zeit nein; auf einmal ja! Die Inflation ist derzeit auf relativ hohem Niveau und das probate Mittel zur Bekämpfung ist eine Leitzinserhöhung. Das bringt die EZB in eine Zwickmühle: Sollte sie die Zinsen erhöhen, könnte es weitere Unternehmen zu Zombies verwandeln und bereits bestehende Zombies endgültig töten. Um in der Zombie-Analogie zu bleiben: Der Zombie-Genesungsprozess kann durch ein zu frühes Absetzen der Medikamente (Zinsen zu schnell hochschrauben) in Gefahr geraten (siehe Finanzkrise ab 2007) und so ist eine langsame Herabsetzung der Dosierung empfehlenswert.


Es bleibt daher weiter sehr spannend, wie sich die EZB entscheiden wird. Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Einem Freund/in schicken (links unten)? Oder Blog abonnieren?



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